ICON – die Macht der Zeichen

„Am Anfang war das Zeichen.“ Icons – kleine graphische Symbole, die die meisten Menschen von der Benutzeroberfläche des Computers kennen, sind wichtige Bestandteile nicht nur der digitalen Welt, sondern auch unseres alltäglichem Lebens.

„Am Anfang war das Zeichen.“

Icons sind keine Wörter; sie bestehen nicht aus Buchstaben und müssen nicht gelesen werden – sie werden auf einen Blick verstanden. Zeichen und Symbole sind aber in unserem täglichen Leben nicht neu. Sie begleiten uns seit Menschheitszeiten. Sie werden verwendet, um Anderen mitzuteilen, wer man ist, wofür man steht oder woran man glaubt. Ein gutes Beispiel dafür sind Städte- oder Familienwappen, die die Mitgliedschaft des jeweiligen Kreises darstellten. Alle diese Zeichen hatten ein wichtiges Ziel: schnell, unverwechselbar und eindeutig erkannt zu werden.

Aus diesem Grund sind bei der Entwicklung der Computerindustrie Icons entstanden welche auf der Benutzeroberfläche unserer Rechner verwendet werden. Heutzutage ist die grösste Sammlung von Icons auf dem Bildschirm des Computers zu finden. Bei der Arbeit mit dem Computer, egal ob mit einem einfachen Textprogramm oder komplexeren multimedialen Anwendungen, stossen wir an vielen Stellen auf Symbole. Mittlerweile könnte alles was auf dem Bildschirm nicht in Schriftform dargestellt wird oder zum Fensterrahmen bzw. Hintergrund gehört, ein Icon sein.

Icons Kommunikation – Wahrnehmung von Zeichen

Wie gerade erwähnt, spielen sowohl Zeichen und Symbole, als auch heutige Icons eine wichtige Rolle in der Kommunikation. Aber wie kommt es, dass nach nur einem Blick auf ein kleines Icon oder Symbol Informationen schneller und besser verstanden werden als es bei Wortkonstrukten je sein wird? Die Antwort auf diese Frage finden wir in unserem Körper.

Die menschlichen Sinnesorgane wie Augen, Ohren, Nase oder Zunge stehen uns bei der Wahrnehmung zur Verfügung. Interessant dabei ist, wie die Verteilung Sinneswahrnehmung ist: Sehen – 78%, Hören – 13%, Tasten – 3%, Riechen – 3% und Schmecken ebenfalls 3%. Im Gedächtnis bleiben uns 40% des Gesehenen und 20% des Gehörten. Dies ist ein guter Beweis dafür, wie wichtig Visuelles in unserem Leben ist. Aber warum haben ausgerechnet Symbole eine so spezielle Wirkung auf uns? Der amerikanische Neurobiologe Roger Wolcott Sperry, der 1981 für seine Forschung über Split-Brain-Patienten mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, hat mit Menschen, die Verletzungen am Gehirn erlitten hatten, Forschung betrieben. Hierbei stellte er fest, dass bei den Menschen, die eine Verletzung der rechten Gehirnhälfte (Hemisphäre) aufwiesen, das „irrationale“ Bilder- und Raumverständnis verloren ging. Bei denen, deren linke Gehirnhälfte verletzt worden war, war dafür das „rationale“ Denken, das den mathematischen sowie sprachlichen Teil des Gehirns steuert, beeinträchtigt. Das bedeutet also, dass beide Gehirnhälften voneinander unabhängig sind. Bei Schäden an der rechten bzw. linken Gehirnhälfte ist der Betroffene nicht dazu im Stande, entweder das, was er sieht zu verarbeiten, oder das verbale wahrzunehmen. Dabei muss berücksichtig werden, dass die rechte Gehirnhälfte eine Information als Ganzes sieht. Wenn wir beispielsweise ein Zimmer betreten, fällt uns die Farbe der Wände, die Helligkeit oder Möblierung auf und nicht nur ein Teil davon. Das heißt, dass wir ohne rechte Hemisphäre mit der Welt nie zurecht kommen könnten.

Nun zurück zu den Icons. Wenn wir ein Icon auf einer Benutzeroberfläche sehen, wird zuerst die rechte Hemisphäre aktiviert, dann die linke Hemisphäre, die das Gesehene zu verbalisieren versucht. Darunter versteht man, dass „die Bildhaftigkeit einer Information der Schlüssel zum leichteren Verständnis ist. Bilder, Zeichen und Symbole werden also besser von unserem Gehirn verarbeitet als Wörter. Es ist eine Tatsache, dass Menschen in Bildern denken und am besten können wir es an uns selber beobachten. Unsere Erinnerungen, Gedanken oder Träume beweisen es. Jeder kennt sicherlich die Situation, in der wir an eine Person denken und zunächst nur das Aussehen der Person oder ihr Gesicht vor Augen haben. Erst nach einigen Momenten wird auch der dazugehörige Name in Erinnerung gerufen. Das bedeutet aber auch, dass Informationen in Form von Bildern und Symbolen besser und langfristiger im Erinnerungsvermögen verbleiben als Worte oder Zahlen.

Eindeutigkeit und Verständlichkeit von Icons

Die Entwicklung der Icons, die ursprünglich schwarz und weiß waren, haben das
Erscheinungsbild der Benutzeroberfläche des Computers vollkommen verändert.
Von Anfang an sollten Icons bei der besseren Verständlichkeit und dem Gebrauch des Computers helfen. Da die Funktionalität von Rechnern immer etwas Neues anzubieten hat, werden Icons ständig neu entstehen. In der heutigen Zeit ist fast allen Funktionen auf dem Bildschirm ein Symbol zugeordnet.

Da die Icons so große Funktionalität haben, müssen ausschlaggebende Kriterien bei der Gestaltung der Icons beachtet werden. Das erste Kriterium ist die internationale Verständlichkeit. Da heute so viele Menschen aus der ganzen Welt Zugriff zu Computern haben, sollen diese kleinen graphischen Zeichen dabei behilflich sein, alle kulturellen Grenzen leicht zu überbrücken und ohne aufwendige Übersetzung überall verständlich zu machen. Das andere Kriterium ist, dass die richtige Assoziation bei der Betrachtung getroffen wird. Es muss klar gemacht werden, was für eine Funktion sich hinter den Symbol verbirgt. Das beste Beispiel für eindeutige Icons könnte der Papierkorb oder der Ordner sein. Wenn man etwas auf Papier geschrieben hat und es noch für später braucht, verwahrt man es in einem Ordner. Wenn aber unsere geschriebene Arbeit nicht mehr benötigt wird, wird es in den Papierkorb geworfen. Diese Tätigkeit ist genauso wie in der realen Welt auch auf der Benutzeroberfläche dargestellt. Das bedeutet, die Icons Papierkorb und Ordner sind in Aussehen und Form von der Realität abgeleitet. Solche Symbole haben einen grossen Vorteil: sie werden rund um die Welt eindeutig verstanden.

Gut entworfene grafische Symbole dienen sowohl der eindeutigen als auch verständlichen Kommunikation. Somit sind Benutzer in der Lage über den schnellsten und unkompliziertesten Weg an ihr Ziel zu kommen. Ferner sind sie interessant für den User und nehmen ihm die Angst im Umgang mit Computern. Unabhängig von sprachlichen Barrieren und anderen Schwierigkeiten, die Menschen mit der Kommunikation haben, sind Icons immer dazu gedacht, dieses Verständnisproblem zu umgehen und einen leichteren Zugang in der digitalen Welt zu ermöglichen.

Der Einfluss auf die Digitale Kommunikation

Icons und Symbole sind unerlässliche Elemente der visuellen Kommunikation. Neben der Sprache, die zwar schon immer das wichtigste Kommunikationsmittel für den Menschen war, waren aber auch Zeichen und Symbole überall zu sehen. Interessant hierbei ist zu beobachten, dass Icons so bekannt und populär geworden sind, dass der Benutzer immer weniger Scheu davor zeigt, sie auch regelmäßig zu benutzen und dass Emoticons sich als fester Bestandteil der Kommunikation etabliert haben. Da heutzutage Symbolik eine so grosse Rolle in der Computerwelt spielt, haben Icons sich fast zu einer neuen internationalen Sprache entwickelt. Sie bestehen zwar nicht aus Buchstaben und bilden keine Wörter, aber sie erfüllen eine jede Sprache der Welt kennzeichnende wichtige Funktion – Kommunikation und Informationsaustausch.

Durch die schnelle Technologieentwicklung tauchen immer mehr Funktionen auf dem Bildschirm des Computers auf, die neue graphische Symbole zur Befehlsumsetzung erfordern. Mittlerweile gibt es so viele Icons, dass der User, wie beim Erlernen einer neuen Sprache, ein Wörterbuch bräuchte, um die Bedeutung von neuen oder unverständlichen Wörtern zu erklären. Dementsprechend sollte dem User ein „Iconbuch“ zur Verfügung stehen, das bei der Erklärung der Symbole behilflich sein kann. Die häufige Benutzung von Icons bei der non-verballen Kommunikation zwischen Menschen lässt sich sehr gut am Beispiel von digitalen „Gesprächen“ beobachten: Da eine SMS auf einem Mobiltellefon nur eine begrenzte Anzahl von Zeichen zur Verfügung stellt, um ein Botschaft zu schreiben, muss man sich auf möglichst wenig Wörter beschränken und trotzdem versuchen, die wichtigsten Informationen zu vermitteln. Und hier sind Emoticons und verschiedene Abkürzungen von Wörtern sehr beliebt, sie sparen viel Arbeit beim Schreiben und dennoch erfüllen sie ihre Aufgabe.

Sind also Icons eine globale Revolution der neuen internationalen Sprache geworden? Jede Sprache, egal ob Englisch, Deutsch, Spanisch oder Polnisch, besteht aus einem bestimmten Vokabular, also aus Wörtern und aus Grammatik – Regeln, die definieren, in welcher Reihenfolge oder Kombination die Wörter benutzt werden können. Ähnlich ist es eben mit den Icons. Wörter werden hierbei durch verschiedene Symbole ersetzt und anstelle der Grammatik kann die richtige Positionierung, Form, Farbe oder Größe der Icons treten. Entsprechend der jeweiligen Definition einer Sprache kann festgestellt werden, dass vorausgesetzt Icons aus „Wörtern“ bestehen, eine eigene „Grammatik“ besitzen und die Funktion der Kommunikation erfüllen, Icons eine neue internationale Sprache der digitalen Welt repräsentieren können.

Man sollte aber vermeiden, zu versuchen Icons zu bewerten. Ob sie eine gute oder schlechte Lösung für das Internet oder die ganze Computerindustrie sind, kann in diesem Fall nicht allgemein und eindeutig eingeschätzt werden. Einerseits gilt, wie schon erwähnt: Zeichen werden besser von Menschen wahrgenommen als Wortgebilde. Sie sind in der Lage, eine Botschaft mit der gewünschten Bedeutung zu versehen und verschiedene Gefühle auszudrücken (Emoticons). Auf der anderen Seite besteht das Problem bei der Kommunikation mittels Icons darin, dass die Menschen, wenn sie sich in der virtuellen Welt zu oft der Hilfe dieser kleinen graphischen Symbole bedienen, wichtige Schreibfähigkeiten (Orthografie, Grammatik) verlieren können. Es ist fraglich, ob Menschen, die hauptsächlich mittels Icons und Emoticons kommunizieren – Menschen, die vielleicht mit dieser Art von Kommunikation aufgewachsen sind – überhaupt noch in der Lage wären, einen klassischen Brief zu schreiben, wohlformulierte Sätze zu bilden oder einen umfangreichen Wortschatz auszubilden.

Tatsache ist, dass diese neue, globale Revolution der Sprache in der digitalen Welt ihre Aufgabe sehr gut erfüllt und sich sicher weiterentwickeln wird. Keine Sprache der Welt kann in so vielen Ländern verstanden werden wie die visuelle, symbolische Kommunkiation. Das Sprichwort: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ passt genau zu diesen kleinen Symbolen -und wenn sie wirklich so gut von den Menschen verstanden werden, uns so viele unterschiedliche Informationen auf einmal vermitteln und in verschiedenen Situationen so hilfreich sind – dann sollte man der Weiterentwicklung dieser neuen Sprache keine Hindernisse in den Weg legen.

 

Literaturverzeichnis :

Abdulah, Rayan , and Roger  Hübner. Piktogramme und Icons Pflicht oder Kür. Mainzt: Hermann Schmidt, 2005.

Horton, William Das ICON-Buch: Entwurf und Gestaltung Visueller Symbole und Zeichen. Bonn: Addison -Wesley [Deutschland] GmbH, 1994.

Siegle, Michael B. Logo Grundlagen der Visuellen Zeichengestaltung Eine Einführung in Das Grafik-Design Am Beispiel der Logo-Gestaltung. Itzehoe: Verlag Beruf + Schule, 2002.